Confirmation Bias/Bestätigungsfehler (Geld-Psychologie : Das Investment - Academy / Content-Partnerschaft - Finanzakademie)

Confirmation Bias/Bestätigungsfehler: Geld-Psychologie / Expertenwissen / Das Investment – Finanzakademie

 

Im Tunnel der eigenen Meinung – wenn man nur noch aufnimmt, was die eigenen (Vor-)Urteile bestätigt

Das Battle bei der sommerlichen Grillparty zwischen Hardcore-Veganern und Hardcore-Fleischessern – unerbittlicher kann ein Zusammenprall unterschiedlicher Meinungen kaum ausfallen. Während die einen wissenschaftliche Belege dafür zitieren, dass Menschen zweifelsfrei reiner Pflanzenfresser seien und Fleischkonsum zu vorzeitigen Krankheiten und Tod führe, zitieren die anderen ebenfalls wissenschaftliche Belege, wonach eine Paleo-Ernährung zu empfehlen sei, die der Ernährungsweise unserer steinzeitlichen Vorfahren als Jäger und Sammler entspricht und die daher fleischlastig ist, weil sie ohne Ackerfrüchte auskommen muss.

Beide Seiten berufen sich dabei auf „wissenschaftliche“ Belege. Der Pragmatiker zwischen diesen beiden Extrempositionen fragt sich dabei wie man zu so unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen kann, wo wir doch alle über Google oder andere Suchmaschinen Zugriff auf die gleichen Primärquellen haben.

Der Grund hierfür ist der Bestätigungsfehler bzw. Confirmation Bias. Menschen mit starken Überzeugungen neigen dazu, nur diejenigen Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, die die eigene Sichtweise bestätigen und gegenteilige Evidenz entweder überhaupt nicht zu registrieren oder für weniger verlässlich zu halten. Auf diese Weise verfestigen sich diese vorgefassten Meinungen immer weiter, je mehr bestätigende Informationen man aufnimmt.

Bei der Geldanlage und damit auch der Rente, kann diese Neigung nicht nur die Stimmung verderben wie die Auseinandersetzung zwischen Hardcore-Veganern und -Fleischessern, sondern richtig viel Geld kosten. Ein Anleger der sich in eine bestimmte Aktie, Kryptowährung oder Anlagestil „verliebt“ (oder hasst) hat wird nur nach denjenigen Informationen suchen und aufnehmen, die seine Sichtweise bestätigen. Umso größer kann dann am Ende die Überraschung sein, wenn sich die reale Kursentwicklung ganz anders darstellt als die erwartete.

Menschen betrachten Objektive Fakten durch die Linse unserer bestehenden Überzeugungen.

Dem Bestätigungsfehler unterliegt man übrigens nicht nur bei der gegenwärtigen Suche nach und dem Filtern von Informationen, sondern auch in der Rückschau. Man erinnert sich dann nur noch selektiv an Informationen aus der Vergangenheit, die die eigene heutige Sichtweise bestätigen.

Je emotionaler wir zu bestimmten Themen stehen, desto stärker wirkt sich der Confirmation Bias aus.

Der Bestätigungsfehler kann auch darin zum Ausdruck kommen, dass wir systematisch Menschen mit einer gegenteiligen Sichtweise aus unserem Umfeld eliminieren, um uns ihre kritischen Positionen nicht mehr anhören zu müssen. Berühmt geworden ist das Beispiel des Beratergremiums von US-Präsident John F. Kennedy im Vorfeld der gescheiterten Invasion in der kubanischen Schweinebucht. Kritische Berater, die das Scheitern des Angriffs zutreffend vorausgesagt hatten, wurden aus dem Gremium entfernt, so dass es einhellig die Invasion empfahl, die letztlich in einer Katastrophe endete. Fehler bei der Beurteilung passieren immer dann, wenn wir ein gewisses Ergebnis erwarten und uns dabei Echokammern aufbauen.

Beim Bestätigungsfehler spielt uns wieder unser steinzeitliches Gehirn einen Streich. Um unter den widrigen Bedingungen des Lebens in der afrikanischen Savanne überleben zu können konnten die damaligen Menschen keine umfangreichen Analysen durchführen, sondern mussten schnelle und eindeutige Entscheidungen treffen. Zudem waren die damals zu treffenden Entscheidungen weit weniger komplex als in der heutigen globalen und vernetzten Massengesellschaft und konnten mit Hilfe des vorhandenen Erfahrungswissens getroffen werden.

In Form von Traditionen, kulturelle Überzeugungen, Familienwerte und persönliche Überzeugungen verhindert der Bestätigungsfehler ein unvoreingenommenes Herangehen an Informationen und damit oft den Fortschritt. Traditionell war die Erde im Mittelpunkt unseres Sonnensystems, alles andere war Ketzerei. Kulturelle Überzeugungen vor weniger als 100 Jahren, bestand in dem Vorurteil, dass das Frauen, ein schlechteres mathematisches Verständnis haben, lieber nicht wählen sollten, oder aufgrund ihres Körperbaus kein Marathon laufen durften. Persönliche Einstellungen, wie „ich kann nicht mit Geld umgehen“ führen dazu es gar nicht erst zu versuchen.

Der erste und wichtigste Schritt um sich nicht selbst mit dem Bestätigungsfehler hereinzulegen besteht darin sich seiner Existenz überhaupt bewusst zu sein. Dies schafft die Voraussetzung dafür bewusst nach Gegenargumenten für die eigene Sichtweise zu suchen. Das gilt für die Geldanlage, aber auch für alle anderen Bereiche. Grundsätzlich ist der Mensch bei der Entscheidungsfindung tendenziell bequem und wählt eher die bequeme, wenig Energie kostende Entscheidung. Doch während es früher wirtschaftlich zu aufwendig war sich ein umfassendes Bild zu holen, leben wir heute in eine Informationsgesellschaft, bei eine Vielzahl von aktuellen Informationen auf Knopfdruck verfügbar. Und wir können es uns heute leisten langsamer zu denken und gegen ein geringes Entgelt, realtime Kursdaten von allen Preisen zu bekommen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich ein regelbasiertes Anlagesystem zu geben, also Kauf- oder Verkaufsentscheidungen auf Basis von systematischen Entscheidungskriterien und Recherchen zu treffen.

Nicht zuletzt sollte man darauf achten, sich mit Freund und Kollegen mit heterogenem Hintergrund und Sichtweisen zu umgeben und diese ganz bewusst um ihren Rat und ihre Einschätzungen zu befragen. Der Standardsatz des Juristen „es kommt darauf an“ hat Vorteile bei der Entwicklung einer besseren Urteils- und Entscheidungsfindung, statt uns weiterhin wie Mustersuchende Tiere zu verhalten.

Zu Wissen, welche Fehler es gibt und sich mit anderen, am besten kritischen Menschen auszutauschen ist der erste Schritt. In Kursen mit Trainer und Coaches gilt es das neue, neutrale Verhalten anzutrainieren, genau wie Piloten im Simulator neue Routinen festigen.

 

Sich auf eine Reise des Lernens zu begeben und eigenes Wissen aufzubauen #investinyourself, kann schon mal etwas länger dauern als man annimmt. Im Endeffekt sorgt es aber dafür, dass man die Weichen für die Zukunft richtig stellt und das Risiko reduziert von anderen übervorteilt zu werden. Letzendlich geht es bei der Geldanlage auch um die eigene Rente und das es einem finanziell gut geht.

Ob Du selber dazu neigst Deine Fähigkeiten zu überschätzen und wie Deine Anlegerfähigkeiten sind, erfährts Du in einer kostenlosen, schriftlichen Auswertung HIER beim SECOR-Anleger-Test. Ja, die schriftliche Auswertung ist entgeltfrei.

 

Den Artikel bei Das Investment finden Sie HIER.

Über die Autoren

Christoph D. Wahlen und Gösta Jamin sind Gründer der Finanzakademie – by Pro Coaching. In den vergangenen Jahrzehnten haben die beiden an der Börse selbst schmerzliche Erfahrungen mit Fehlern gemacht, die eigentlich vermeidbar gewesen wären und bringen Ihren Kursteilnehmern bei, wie sie diese überwinden.

In der Serie „Geld-Psychologie” schreiben sie über Fallen, die unser Gehirn uns stellt, um dir dabei zu helfen, sie aufzudecken und zu vermeiden. Mehr Infos und Weiterbildungsangebote findest du auf Finanzakademie – by PRO Coaching.

 

 

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